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2/26 Ans Ufer gebaut

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Abschlag frei fürs neue Clubhaus

Drei Holzbauten, zwei Konstruktionsprinzipien, ein stimmiges Bauprojekt: Mit dem neuen Gebäudeensemble des Golfclubs Interlaken-Unterseen entstand zwischen Green, Thunersee und Bergkulisse ein exklusiver Treffpunkt für Golfer.

Text Susanne Lieber, Lukas Bonauer | Fotos Roland Trachsel | Pläne L2A Architekten

 

Golf wird in Interlaken seit den 1960er Jahren gespielt. Entsprechend veränderte sich dort die bauliche Infrastruktur im Laufe der Zeit: Eine erste Garderobenanlage entstand 1976, gefolgt von der sogenannten Wägelihalle für Golfbuggys. Das Clubhaus selbst wurde 1994 errichtet. Mit den Jahren erwiesen sich diese Bauten jedoch sowohl funktional als auch energetisch als überholt. Gleichzeitig veränderten sich die Anforderungen des Clubbetriebs: Die 
Wägelihalle platzte aus allen Nähten, der Stauraum für Golfausrüstungen war schon längst knapp geworden, und auch der Gesamtauftritt des Clubs entsprach nicht mehr den Erwartungen an eine Anlage, die sich an einer solch exklusiven Lage befindet.

Der Golfplatz selbst wurde bereits früher grundlegend erneuert: Zum 50-Jahr-Jubiläum (2005) gestaltete der schottische Golfarchitekt John Chilver-Stainer die Greens und Abschlagplätze neu und gab der Anlage ihre heutige Gestalt. Vor diesem Hintergrund schrieb der Golfclub 2016 einen Architekturwettbewerb für die Erneuerung der Gebäude­anlage aus. Acht eingeladene Büros aus dem Kanton Bern reichten hierfür Entwürfe ein. Der Wettbewerb liess dabei offen, ob es sich um eine Sanierung des Bestands oder einen Neubau handeln würde. 


Ein Wettbewerb – ein langer Weg 
Den Zuschlag erhielt das ortsansässige Büro L2A Architekten in Unterseen. Dessen Entwurf versteht sich nicht als isolierter Neubau, sondern als Weiterentwicklung der bestehenden Situation. Der Standort des Clubhauses war hierbei planungsrechtlich eng definiert: Die geltende Überbauungsordnung von 1992 legte den Bearbeitungsperimeter fest, und der Fussabdruck der bestehenden Gebäude durfte nicht vergrössert werden. Wo immer möglich, sollten bereits vorhandene Bodenplatten und Pfählungen weiterverwendet werden.

Zwischen Wettbewerbsentscheid und Fertigstellung des Bauprojekts lag ein ungewöhnlich langer Planungs- und Realisierungsprozess: Fast zehn Jahre dauerte das Ganze. In dieser Zeit wurden Anforderungen präzisiert, Budgets angepasst und Nutzungsfragen weiterentwickelt. Bauherrschaft war hierbei kein klassischer Investor, sondern ein Bauausschuss, der aus Mitgliedern des Golfclubs selbst bestand.

Ensemble aus drei Holzbauten
Im Zentrum des Projekts steht ein Ensemble aus drei lang gestreckten Gebäuden, die in Zusammenarbeit von drei Holzbaubetrieben aus dem Kanton Bern entstanden sind: Wenger Holzbau AG, Wyler Holzbau AG und Brawand Zimmerei AG. Die Gesamtprojektleitung oblag hierbei Michael Schild von der Wenger Holzbau AG. «Für mich war es ein recht grosses Projekt», erklärt er zum neuen Clubhausensemble. Insgesamt umfasst es eine Geschoss­fläche von über 3000 Quadrat­metern, und das Kostenvolumen für den Holzbau lag bei rund 2,35 Millionen Franken.

Das Hauptgebäude setzt sich aus zwei unterschiedlich langen Baukörpern (Trakten) zusammen, die auf der Längsseite miteinander verbunden sind. Ein frei stehender Bau – die sogenannte Wägelihalle – ergänzt das Hauptgebäude und bildet durch seine Setzung einen offenen Hofbereich. Inspiration für die lang gestreckten Baukörper mit klassischen Satteldächern fanden die Architekten in landwirtschaftlichen Hofanlagen und tradi­tionellen Holzbauten der Region. Referenzen wurden jedoch nicht historisierend übernommen, sondern in eine zeitgenössische Architektur übersetzt.

Eingangstrakt mit Foyer, Shop und exklusivem Clubbereich
Vom Innenhof gelangt man linker Hand zum Hauptgebäude, das aus einem längeren Restauranttrakt und einem kürzeren Eingangstrakt besteht. Hier betritt man das giebelseitig verglaste, grosszügige Foyer, von dem aus alle anderen Bereiche des Hauptgebäudes erschlossen werden. Eindrucksvoll präsentiert sich dort die sichtbare und stützenfreie Binderkonstruktion mit Sparren-Pfetten-Dach (Brettschichtholz). Anhand der Trägerstruktur lässt sich anschaulich das Rastermass von 2,35 Metern – auf dem der gesamte Entwurf des Gebäudeensembles beruht – ablesen.

Beim hinteren Teil des Eingangstrakts handelt es sich hingegen um einen Elementbau, der aus Brettschichtholz gefertigt und mit Holz-Beton-Verbunddecken kombiniert wurde. Dieser Gebäudeteil erstreckt sich über zwei Geschosse: Auf der unteren Ebene befindet sich ein Golfshop sowie Büros für Verwaltungsarbeiten. Darüber liegt ein loungiger Clubbereich mit Terrasse, der allerdings nur exklusiv für Golfclubmitglieder zugänglich ist.

Restauranttrakt mit Bar
Analog zum Eingangstrakt gliedert sich auch dieser etwas längere Baukörper in zwei Gebäudeteile: ein Teil ist in Elementbauweise erstellt, der andere Teil mit sichtbarem Holztragwerk und verglaster Giebelseite, wo sich das Restaurant befindet. «Um hier wie beim Foyer einen grosszügigen, offenen Raum zu schaffen, wurde das hölzerne Tragwerk ebenfalls stützenfrei konzipiert», erklärt dazu Michael Schild. Das sichtbare Tragwerk und die Holzoberflächen tragen dabei wesentlich zur Raumatmosphäre bei. Zudem wurden vor den Fenstern dekorative, gitterartige Elemente aus Tanne angebracht, die das einfallende Licht filtern und als konstruktiver Sonnenschutz dienen. An dieser Stelle sei kurz angemerkt: Wer dem Restaurant einen Besuch abstatten will, kann dies auch ohne Mitgliedschaft tun – hier ist jede und jeder willkommen, egal ob Spaziergänger, Ausflügler oder einfach Geniesser.

Im Restauranttrakt sind die beiden unterschiedlichen Konstruktionsabschnitte (Binderkonstruktion und Elementbau) durch eine betonierte Brandschutzwand abgetrennt. Diese verläuft auf der Rückseite des Restaurantbereichs. Dahinter schliesst sich der zweigeschossige Teil in Elementbauweise an mit Bar, Küche und Nebenräumen. Im Obergeschoss befinden sich ein Aufenthaltsbereich für die Golfjugend und ein Technikraum. 
 

Ähnlich und doch anders
Die Wägelihalle nimmt innerhalb des Gebäudeensembles eine besondere Rolle ein: «Hierbei handelt es sich um ein relativ simples Gebäude», erklärt dazu Projektleiter Michael Schild. Seiner einfachen Nutzung entsprechend ist der Bau – ein reiner Holzelementbau – deshalb roh belassen, sprich, auf Innenverkleidungen und dergleichen wurde verzichtet. Der Zweckbau liegt auf der Nordseite des Areals und schottet dadurch den offenen Hofbereich von den Parkplätzen ab. Das Gebäude umfasst drei Ebenen, auf denen eine Garage für Buggys, Schliessfächer und Abstellplätze für Trolleys, eine Waschstation, ein Akku-Lager sowie ein Raum für den Platzwart untergebracht sind. Zum Hof hin befindet sich zudem ein überdachter Aussenbereich. Die rhythmisch angeordneten Holzstützen machen hier einmal mehr das Rastermass ablesbar, das allen Ensemblegebäuden gleichermassen zugrunde liegt. Und auch farblich wird deutlich, dass die Bauten zusammengehören: Die Fassade der Wägelihalle besteht ebenfalls aus braun druckimprägnierter und lasierter Schweizer Tanne. 
wengerholzbauag.ch, wylerholzbau.ch, brawand-zimmerei.ch 
 

L2A Architekten

Das Architektur- und Planungsbüro aus Unterseen wurde 1997 unter dem Namen L2A Leng­acher Althaus & Althaus von Beatrice Lengacher und Martin Althaus gegründet. Heute besteht das Team aus 24 Mitarbeitenden, zu denen auch Paul Rosser und Matthias Steiner als Teil­haber und Mitglieder der Geschäftsleitung zählen. Das Büro hat bereits an über 70 Architekturwettbewerben teilgenommen, 20 davon wurden mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Das Repertoire des Büros umfasst unterschiedlichste Planungs-, Entwurfs- und Bauaufgaben. l2a.ch


Das Projekt – die Fakten

Projekt: Golfclubhaus, Unterseen (BE)
Bauherrschaft: Golfclub Interlaken-Unterseen (GCIU)
Fertigstellung: 2026
Architektur: L2A Architekten AG, Unterseen
Holzbau und Fassade (Arge WWB): Wenger Holzbau AG (Projektleitung: Michael Schild), 
Unterseen; Wyler Holzbau AG, Brienz (BE); Brawand Zimmerei AG, Grindelwald (BE)
Konstruktion / Tragwerk: Binderkonstruktion mit Sparren-Pfetten-Dach, Holzelementbau
Holzart: Brettschichtholz (Binderkonstruktionen), Brettsperrholz CLT (Elementbau), 
Schweizer Tanne (Fassade, Innenausbau)
Geschossfläche: 3070 m2
Gebäudevolumen: 1180 m3
Kosten (BKP 2): CHF 8,2 Mio. (davon Holzbau: rund CHF 2,35 Mio.)

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