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«Das Thema Re-use wird eine immer wichtigere Rolle spielen»

In NACH.GEFRAGT spüren wir Holzbauingenieuren und Architekten nach, wie sich der Holzbau entwickelt und mit welchen Bauprojekten sie sich beschäftigen. Dieses Mal sprechen wir mit René Salzmann, Mitgründer des Zürcher Büros Fiechter & Salzmann Architekten, unter anderem über das Thema Re-use im Holzbau, die Schönheit von handwerklich gefertigten Holzverbindungen und über eines der jüngsten Projekte seines Büros: das Seerestaurant «Im Schilf» in Uster.

Interview Susanne Lieber | Foto zVg

 

Herr Salzmann, im Holzbau hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Was sehen Sie besonders positiv an dieser Entwicklung?
Dank des Holzbaus wird heute vermehrt interdisziplinär zusammengearbeitet. Ausserdem gibt das Material Holz in konstruktiver Hinsicht bestimmte Regeln vor. Für Architektinnen und Architekten ist gerade die Auseinandersetzung mit den spezifischen Eigenschaften von Holz spannend. Gleichzeitig ist der Baustoff äusserst vielseitig einsetzbar und eröffnet dadurch zahlreiche gestalterische und konstruktive Möglichkeiten. Holz eignet sich zudem hervorragend für Hybridkonstruktionen, bei denen jedes Material entsprechend seinen Eigenschaften eingesetzt wird. Auch Re-use-Konstruktionen bieten inte­ressante neue Möglichkeiten und zeigen, wie vielfältig sich heute mit Holz arbeiten lässt.

Welches sind Ihre persönlichen Leuchtturmprojekte – schweizweit oder international betrachtet?
Ich glaube, dass wir in der Schweiz eine sehr vielfältige Holzbauarchitektur haben. Dabei denke ich insbesondere an die unterschiedlichen Bauernhäuser und Ställe. Gerade ein einfacher Stall – ein reiner Zweckbau – kann durch seine sichtbare Holzkonstruktion eine besondere Schönheit und Ausdruckskraft entwickeln. Auf meiner Japanreise hat mich die kaiserliche Katsura-Villa bei Kioto sehr beeindruckt. Ihre Klarheit und ihre Schlichtheit sind für mich einzigartig. Faszinierend finde ich vor allem den fliessenden Übergang zwischen Innen- und Aussenraum und die behutsame Art, wie die Holzpavillons auf dem Erdreich stehen. Diese Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit im Umgang mit Holz und mit dem Ort empfinde ich als sehr inspirierend.

Wo sehen Sie im Holzbau noch Entwicklungspotenzial – planerisch, konstruktiv oder fertigungstechnisch?
Der Holzbau hat in den letzten Jahren dank der grossen Nachfrage enorme Entwicklungsschritte gemacht – sei es im Brandschutz, bei den Spannweiten oder in der Fertigungstechnik. Gleichzeitig haben Architektinnen und Architekten einen zunehmend selbstverständlichen und spielerischen Umgang mit dem Material gefunden. Auch das Thema Re-use wird im Holzbau sicherlich eine immer wichtigere Rolle spielen. Gerade hier sehe ich einen grossen Vorteil des Materials: Holz lässt sich vergleichsweise einfach bearbeiten, demontieren und wiederverwenden. Diese Eigenschaften bieten grosses Potenzial für eine zirkuläre Bauweise und werden den Holzbau in Zukunft bestimmt noch stärker prägen.

Was für einen Holzbau würden Sie gerne einmal planen und warum?
Ich finde handwerklich gefertigte Holzverbindungen etwas vom Schönsten im Holzbau. Holzbalken, die allein durch präzise Handwerkskunst zu einem Tragwerk zusammengefügt werden, haben für mich eine besondere Qualität und Ausstrahlung. Deshalb würde ich gerne einmal ein Holztragwerk entwickeln, bei dem die Konstruktion selbst im Mittelpunkt steht. Besonders spannend fände ich ein Dach, das als reiner Holzbau einen Witterungsschutz bildet und dabei ohne unnötige Zusatzschichten auskommt. Die Verbindung von konstruktiver Klarheit, handwerklicher Präzision und der natürlichen Schönheit des Holzes würde mir dabei besonders viel Freude bereiten.

Was war die besondere Herausforderung bei Ihrem Projekt «Im Schilf» (siehe S. 6)?
Es gab einige besondere Herausforderungen. 2016 wurde der Richtplan für den Bauperimeter des Seerestaurants am Greifensee genehmigt. Aber erst neun Jahre später konnte der kleine Holzbau eröffnet werden. Eine besondere Herausforderung war der Schutz des Trinkwassers unter dem Gebäude. Sämtliche Leitungen und Schächte mussten doppelwandig ausgeführt werden. Eine weitere Herausforderung bestand darin, bei der gastronomischen Nutzung die Anforderungen von Minergie-Eco zu erfüllen. Und schliesslich war da die geometrisch einfache Dachkonstruktion: Obwohl sie auf den ersten Blick sehr klar und unkompliziert wirkt, musste jeder einzelne Balken verdreht zugeschnitten werden. Gerade diese Kombination aus einfacher Form und hoher konstruktiver Präzision machte die Umsetzung anspruchsvoll.
 

René Salzmann

1973 in Horw (LU) geboren, begann René Salzmann im Alter von 17 Jahren eine Lehre als Hochbauzeichner, die er 1994 abschloss. Drei Jahre später folgte ein Architekturstudium an der HSLU und nach dessen Abschluss Tätigkeiten in den Büros von Max Dudler (Zürich und Berlin), Scheitlin Syfrig Architekten (Luzern), Tilla Theus und Partner (Zürich) sowie Joos & Mathys Architekten (Zürich). Im Anschluss an sein Nachdiplom MAS BA an der ZHAW gründete er mit 
Caroline Fiechter das Büro Fiechter & Salzmann, das inzwischen 16 Mitarbeitende beschäftigt. fiechtersalzmann.ch

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