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2/26 Ans Ufer gebaut

BAU.WERK

Genussvoller Auftakt zum Wochenende

Der neue Kiosk am Zürcher Bürkliplatz ist der perfekte Ausgangspunkt, um freitagmorgens nach einem Kaffee durch den Wochenmarkt zu schlendern.

Text Susanne Lieber | Fotos Lukas Murer | Pläne Schmid Ziörjen Architektenkollektiv, Zürich

 

Knapp ein Jahr ist es her, dass am Bürkliplatz der neue Kiosk eröffnet wurde. Und um es hier gleich vorweg zu nehmen: Der Holzbau ist für den Platz ein echter Gewinn. Flankiert von Bahnhofsstrasse und Fraumünsterstrasse, liegt der Bürkliplatz an prominenter Stelle – nur wenige Meter von Zürisee und Schiffsanlegestelle entfernt. Dienstags und freitags lockt hier der «Bürklimäärt» mit Gemüse und Blumen, am Samstag wird auf dem Flohmi um Antiquitäten und Krimskrams gefeilscht. Den Blick auf die Alpen gibts bei föhnigem Wetter gratis dazu.

Entstanden ist der Bürkliplatz – benannt nach dem Stadtingenieur Arnold Bürkli (1833–1894) – in seiner heutigen Form im Jahr 1887. Anfang der 1970er Jahre wurde er mit einem zweckmässigen Kiosk, der «Bürkli Beiz», ergänzt. In die Jahre gekommen, sollte dieser schliesslich einem Ersatzneubau weichen. Den dafür ausgeschriebenen Planungswettbewerb, an dem sich 140 Büros beteiligt hatten, gewann das Schmid Ziörjen Architektenkollektiv aus dem Zürcher Kreis 5. Feinfühlig entwarf das Team einen eingeschossigen, teilunterkellerten Holzbau, der gleich mehrere Funktionen in sich vereint: In erster Linie dient er als Kiosk mit Aussenbestuhlung und Gästetoiletten. Doch zusätzlich sind hier auch ein Büroraum für die Marktaufsicht sowie öffentliche WCs untergebracht. Im Untergeschoss befinden sich ein Lager, ein Technikraum, die Personalgarderoben und obendrein eine Trafostation, die den gesamten Bürkliplatz mit Strom versorgt. 
 

Solitär mit Charakter
Was den rund 16 Meter langen und 6 Meter breiten Holzbau so gelungen macht, ist auf verschiedene Aspekte zurückzuführen. Nicht zuletzt darauf, dass er sich trotz eigenständigen Charakters so harmonisch in die Umgebung einfügt, was sich schon an seiner Farbgebung festmachen lässt – eine Melange aus den Fassadenfarben der historischen Gebäude rundherum. Zudem werden Gestaltungselemente anderer Kleinbauten auf dem Platz charmant zitiert. So haben die Architekten beim neuen Holzbau beispielsweise die Rundungen der Zierknaggen des denkmalgeschützten Toilettenhäuschens aufgegriffen. Und auch das auskragende Dach des ikonischen Musikpavillons (1908), in dem man sich unter anderem abends zum Lindy Hop (Tanzstil aus den 1930er Jahren) trifft, scheint eine gewisse Inspiration gewesen zu sein.

Der pavillonartige Kiosks besteht aus einem Holztragwerk mit Flachdach, das von der Küng Holzbau AG aus Alpnach (OW) gefertigt wurde. Die Stützen und Binder reihen sich hierbei im Abstand von 1,15 Metern aneinander und bestehen alle aus Vollholz, was eine Auflage der Bauherrschaft (Stadt Zürich) war. Auf verleimtes Holz sollte aus Nachhaltigkeitsgründen so weit wie möglich verzichtet werden. Die Gebäudehülle des Kleinbaus basiert auf vorgefertigten Holzrahmenelementen, die mit Mineralwolle gedämmt sind. Im Inneren tragen gedämmte Holzrahmenwände zur Aussteifung bei.
 

Dem Ort verpflichtet
Ein besonders schönes Gestaltungselement ist die Lamellenstruktur im Sturzbereich zwischen den Fassadenstützen. Die Optik verändert sich nämlich, sobald der Kiosk geöffnet ist: Werden die Holzschiebeläden vor den Fenstern hochgeschoben, überlagern sich die vertikalen und die horizontalen Lamellen und bilden so eine Gitterstruktur. Was eine gewisse Parallele zur nur wenige Schritte entfernten Frauenbadi (1888, Jugendstil) erkennen lässt. Dort sind es allerdings rautenförmige Elemente, die die Fassade zieren.

Die enge Verbindung des Kiosks zu seiner unmittelbaren Umgebung zeigt sich letztlich auch beim Baumaterial: Das verwendete Holz stammt aus dem Stadtwald am Züriberg. Die Architekten seien sogar dabei gewesen, als die Fichten geschlagen worden sind – eigens für dieses kleine, aber so stimmige Bauprojekt. kueng-holz.ch

Das Projekt – die Fakten

Projekt: Ersatzneubau Kiosk auf dem Bürkliplatz, Zürich
Wettbewerb (2022): Planungswettbewerb im offenen Verfahren, Amt für Hochbauten der Stadt Zürich
Bauherrschaft: Liegenschaften Stadt Zürich
Fertigstellung: November 2025
Architektur: Schmid Ziörjen Architektenkollektiv, Zürich
Holzbauingenieur: Makiol Wiederkehr AG, Beinwil am See (AG)
Holzbau: Küng Holzbau AG, Alpnach (OW)
Konstruktion / Tragwerk: Stützen-Binder-Konstruktion, Holzrahmenelemente
Holzart: Fichte (Vollholz)
Gebäudegrösse: rund 16 m × 6 m
Besonderheiten: Holz aus dem Zürcher Stadtwald
 


Schmid Ziörjen Architektenkollektiv

Gegründet wurde das Zürcher Architekturbüro 2014 von den Namensgebern Mark Ziörjen und Rafael Schmid, beide Jahrgang 1977. Was sie ebenfalls eint: Sie haben beide eine Lehre als Hochbauzeichner und ein Architekturstudium an der ZHAW in Winterthur absolviert. Zu ihrem Portfolio zählen Privat- wie auch öffentliche Bauten. schmid-zioerjen.ch
 

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